Video · 3:22 · Dokumentation

Verdacht auf K.o.-Tropfen: die Schlagzeilen der Blick-Kampagne 2014 bis 2015

Der Blick veröffentlichte nach der Zuger Landammannfeier 2014 mindestens 167 Beiträge; in weiteren Schweizer Medien folgten über die Jahre tausende Artikel. Das Video zeigt einige dieser Schlagzeilen aus Blick, Blick am Abend und Tages-Anzeiger, 2014 bis 2015, nach dem Verdacht auf K.o.-Tropfen (chemische Unterwerfung). Am Schluss die Entschuldigung von Ringier-CEO Marc Walder vom 25. August 2020.

Zum Verfahren: Falldossier Ringier AG / Blick.

K.o.-Tropfen, chemische Unterwerfung und die Blick-Kampagne

Am Morgen nach der Zuger Landammannfeier vom 20. Dezember 2014 ging Jolanda Spiess mit Unterleibsschmerzen, einem Filmriss über mehrere Stunden und dem Verdacht, ohne ihr Wissen unter Drogen gesetzt worden zu sein, ins Zuger Kantonsspital. K.o.-Tropfen konnten weder nachgewiesen noch ausgeschlossen werden: Die Blutabnahme erfolgte erst rund zwanzig Stunden nach dem Ereignis, als Substanzen wie GHB längst abgebaut gewesen wären.

Chemische Unterwerfung, das Verabreichen psychoaktiver Substanzen ohne Wissen der Betroffenen, ist kein eigener Straftatbestand, sondern eine Tatbegehungsweise. Ein fehlender Befund ist kein Gegenbeweis. Der Fall wurde nie geklärt; sämtliche strafrechtlichen Untersuchungen gegen Jolanda Spiess wurden eingestellt.

Das Video zeigt, was die Medien aus diesem Verdacht machten: die Schlagzeilen der Blick-Kampagne, für die das Kantonsgericht Zug 2019 und das Obergericht Zug 2020 schwere Persönlichkeitsverletzungen feststellten, bis zur Entschuldigung von Ringier-CEO Marc Walder 2020.

Die Beiträge im Video

Schlagzeile, Medium und Autorenzeile, wie sie im Video vorgelesen werden.

  1. 0:00«Sex-Skandal um SVP-Politiker» – «Hat er sie geschändet?»Blick · von Gabriela Battaglia und Daniel Riedl
  2. 0:12«Sex-Skandal in Zug» – «Alles begann auf der MS-Rigi»Blick · von Jessica von Düren und Michael Spielmann
  3. 0:25«Das Protokoll der Peinlichkeiten»Blick · von Viktor Dammann und Daniel Riedl
  4. 0:36«Jolanda Heggli zeigt ihr Weggli», Schnitzelbank an der FasnachtBlick am Abend · von Redaktion
  5. 0:46«Wenn ein Vorwurf K.o. geht»Tages-Anzeiger · von Michèle Binswanger
  6. 0:58«Zeigen Sie uns die Captain’s Lounge»Blick am Abend · von Gabriela Battaglia
  7. 1:13«Showdown in Zug» – «Rummel ums Rammeln»Blick am Abend · von Katja Baltisberger, Daniel Riedl und Gabriela Battaglia
  8. 1:32«Die sechs Männer um Jolanda Spiess-Hegglin»Blick · von Romina Lenzlinger
  9. 1:51«Und immer noch suchen sie Ausreden»Blick · von Romina Lenzlinger und Michael Sahli
  10. 2:04«Das Klageweib»Tages-Anzeiger · von Jean-Martin Büttner
  11. 2:17«Ein ausgekochtes Luder»Blick am Abend · von Redaktion
  12. 2:30«Angriff auf Spiess-Vater»Blick am Abend · von Katja Baltisberger
  13. 2:55Entschuldigung von Ringier-CEO Marc Walder, 25. August 2020Blick

Fragen zum Video

Was zeigt das Video?

Der Blick veröffentlichte nach der Zuger Landammannfeier 2014 mindestens 167 Beiträge; in weiteren Schweizer Medien folgten über die Jahre tausende Artikel. Das Video zeigt gescannte Druckseiten des Blick, des Blick am Abend und des Tages-Anzeigers aus den Jahren 2014 und 2015. Hansi Voigt und Jolanda Spiess lesen zwölf Schlagzeilen samt Unterzeile, Medium und Autorschaft vor. Am Schluss steht die Frontseite vom 25. August 2020, auf der sich Ringier-CEO Marc Walder entschuldigt; auch dieser Text wird vorgelesen. Dauer 3 Minuten 22 Sekunden.

Was bedeutet chemische Unterwerfung?

Chemische Unterwerfung bezeichnet das Verabreichen psychoaktiver Substanzen an eine Person ohne deren Wissen oder Einverständnis, um sie wehrlos, willenlos oder erinnerungsunfähig zu machen. In der Fachliteratur wird sie auch als «soumission chimique» oder «drug-facilitated crime» geführt. Chemische Unterwerfung ist kein eigener Straftatbestand des Schweizer Strafgesetzbuchs, sondern eine Tatbegehungsweise; strafbar sind die damit begangenen Delikte.

Was sind K.o.-Tropfen und warum sind sie oft nicht nachweisbar?

K.o.-Tropfen sind das umgangssprachliche Wort für Substanzen der chemischen Unterwerfung, häufig GHB oder verwandte Stoffe. Der Nachweis gelingt nur in einem engen Zeitfenster: wird die Blut- oder Urinprobe zu spät entnommen, ist die Substanz abgebaut. Dann ist sie weder nachweisbar noch ausschliessbar. Ein fehlender Befund ist deshalb kein Gegenbeweis.

Wurden bei Jolanda Spiess K.o.-Tropfen nachgewiesen?

Nein, und sie wurden auch nicht ausgeschlossen. Die Blutabnahme erfolgte erst rund zwanzig Stunden nach dem Ereignis, als Substanzen wie GHB längst abgebaut gewesen wären. Im Spital wurde in ihrem Intimbereich die DNA zweier Männer gefunden. Sämtliche strafrechtlichen Untersuchungen gegen Jolanda Spiess wurden eingestellt. Sie hat nie jemanden beschuldigt und geht davon aus, dass beide Beteiligten Opfer wurden. Der Fall wurde nie geklärt.

Wie viele Artikel veröffentlichte der Blick über den Fall?

167 Beiträge. Vier davon sind im Urteil zur Gewinnherausgabe erfasst; wegen der restlichen 163 ist eine Kampagnenklage in Vorbereitung. Für die Berichterstattung stellten das Kantonsgericht Zug 2019 und das Obergericht Zug 2020 schwere Persönlichkeitsverletzungen fest.

Hat sich Ringier für die Blick-Berichterstattung entschuldigt?

Ja. Am 25. August 2020 erschien auf der Blick-Frontseite unter dem Titel «Entschuldigung, Jolanda Spiess-Hegglin» eine Entschuldigung von Ringier-CEO Marc Walder. Diese Frontseite ist am Ende des Videos zu sehen und als PDF im Falldossier hinterlegt. Die Zivilverfahren liefen danach weiter.

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